Beim Pfullinger Frühlingserwachen hatte ich Standdienst bei den FWV . Ich habe mit vielen Leuten gesprochen und wir sind immer wieder auf dasselbe Thema gekommen.

Wir machen uns alle Gedanken, wie wir die Immobilien und Mieten in Pfullingen zukünftig bezahlen sollen? Viele kennen mindestens eine Person, die sich Pfullingen bereits jetzt nicht mehr leisten kann und deshalb wegziehen mußte.

Das ist eine Situation mit der ich mich einfach nicht abfinden will!

Ich glaube nicht, dass sich die Situation für uns Pfullinger dadurch entspannt, dass die Stadt Pfullingen immer weiter neue Wohneinheiten baut (geplant: 104 WE/Jahr). Vielmehr müssen wir aufpassen, dass wir nicht ein Auffangbecken für Leute aus dem Großraum Stuttgart werden. Stuttgart ist halt noch teurer als Pfullingen. Und wenn die Stadt Pfullingen Grundstücke und Immobilien anbietet (andere Kommunen und Gemeinde tun dies oftmals nicht), kommen die Stuttgarter halt zu uns. Durch den Scheibengipfeltunnel ist die Anbindung auf die „Fildern“ noch einmal besser geworden. Ich bin nicht gegen einen gesunden Zuzug. Keine Frage wir brauchen den auch, um die Kitas, Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen bei uns am Leben zu erhalten.

Daimler baut bis 2020 seinen neuen Verwaltungsstandort in Stgt-Vaihingen. Dort werden dann 4.200 Leute arbeiten. Daimler Trucks baut in LE-Echterdingen ein neues Verwaltungsgebäude für 2.000 Mitarbeiter. Auch hier ist die Fertigstellung für 2020 eingeplant.

Die Allianz AG baut ebenfalls in Stgt-Vaihingen einen großen Verwaltungskomplex für 4.500 Mitarbeiter. Fertigstellungstermin: 2022

Wenn auch nicht jeder von diesen Mitarbeitern ein neues Zuhause suchen müssen, ist eines klar: Ein großer Teil der 10.700 Menschen, die zukünftig in den neuen Verwaltungsgebäuden arbeiten werden, werden neuen Wohnraum suchen müssen. Die werden auch auf Pfullingen kommen und unseren Wohnungs- und Immobilienmarkt leer fegen. Die Zeche werden wir Pfullinger zahlen, da auch weiterhin mit steigenden Mieten und Immobilienpreisen zu rechnen ist.

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Wenn wir mit der aktuellen Bebauung nur noch Stuttgarter nach Pfullingen holen, bekommen wir ein 2. Problem:

Wir schaffen uns einen hausgemachten Verkehrsinfarkt! Da hilft dann auch keine Stadtbahn, da die nicht Richtung Stuttgart, sondern Tübingen fährt.

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Zumindest für sozialschwache Personen und Familien hat die Stadt einen ersten Schritt gemacht. Im Rathaus hat man endlich begriffen, dass man als Stadt eingreifen kann, wenn Investoren hier bauen wollen. Der Markt regelt das halt doch nicht selber! Über einen Städtebaulichen Vertrag kann die Stadt dem Investor sagen, er darf hier nur bauen, wenn er „25 % der neu geschaffenen Wohnfläche als sozialgebundenen Mietwohnraum und bezahlbarer Wohnraum erstellt“. Über 25 Jahre muß dann die Kaltmiete 33% bzw. 15 % unter der ortsüblichen Vergleichsmiete sein. Dass man den Städtebaulichen Vertrag in das Handlungsprogramm Wohnen verankert hat, ist ein sehr guter Schritt.

Ich bin aber eigentlich gar nicht dafür, dass man den/die Investor/en mit o. g. Zwang, bei jeder neuen Baumaßnahme, 25 % günstigen Wohnraum zu schaffen, beschneidet. Vielmehr ist eine Konzeptvergabe vielleicht der bessere Weg. Man sollte sich im Vorfeld überlegen, welchen Berufsgruppen man bei einem Neubau die Möglichkeit zum Einzug ermöglichen will. Meiner Meinung ist es doch einem Azubi, Studenten oder Leuten aus dem Mittelstand egal, ob eine Tiefgarage oder Aufzug im neuen Gebäude integriert ist und ob er auf Balkone verzichten muß. Hauptsache, die Wohnung ist bezahlbar. Das Gesamtkonzept sollte berücksichtigen, dass letztendlich alle Wohnungen im Neubau klar unter 10 €/m2 Kaltmiete liegen und nicht nur 25 %. Durch Maßnahmen, wie Treppenaufgang außerhalb des Gebäudes, anstatt Balkone für jeden eine Dachterrasse für alle, kaum Flure, keine Tiefgarage, kleine Wohneinheiten etc ist das Gebäude einfach günstiger zu bauen und somit werden die Wohnungen auch bezahlbar. Wenn man dann noch sagt, dass die Azubis, Studenten, Arzthelferinnen, Pflegepersonal …, die in Pfullingen bereits wohnen und arbeiten, bevorzugt, würden wir auch den in Pfullingen ansässigen Arztpraxen, Einzelhandel und dem Handwerk unter die Arme greifen. Zumindest die Azubis und Arbeitnehmer hätten dann Wohnort und Arbeitsstätte bei uns in Pfullingen, was zudem noch den Vorteil hätte, dass unser Vehrkehrsaufkommen entlastet wird. Die können dann mit dem Fahrrad ins Geschäft und müßten nicht jeden Tag von der Alb anfahren.

Ich weiß, dass die Stadt Pfullingen mit dem Neuprojekt „Marktstraße/Kurze Straße hier auf eine Konzeptvergabe setzt, da auch die Konzeptvergabe ins Handlungsprogramm Wohnen einbezogen wurde. Vielleicht ist o. g. Idee eines solchen Neubaus ja mal Anreiz genug, einen oder mehrere Investoren mit Architekten für solch eine Bauweise zu gewinnen.